Große Freude herrscht am Hochwald-Gymnasium in Wadern: Schulleiterin Elke Derdouk hat aus der Hand der Bildungsministerin Christine Steichert-Clivot eine besondere Auszeichnung erhalten. Die Schule wurde als „Europaschule des Saarlandes“ zertifiziert und darf ab jetzt für fünf Jahre dieses Qualitätslabel als Zusatzbezeichnung tragen. Damit ist das HWG eins von vier saarländischen Gymnasien, denen diese Ehre zuteil wird.

Die Zertifizierung ist das Ergebnis eines langen Prozesses, den das HWG nun mit Erfolg abgeschlossen hat. 2022 hat das Land die Kriterien veröffentlicht, nach denen Schulen sich als Europaschulen bewerben können. Grundlage der Zertifizierung sind gemeinsam entwickelte Qualitätskriterien, die zentrale europapolitische Aspekte von Unterricht und Schule bewerten. Dazu zählen unter anderem die Förderung von Mehrsprachigkeit, internationale Austauschprogramme, interkulturelles Lernen, die Zusammenarbeit mit Partnerschulen und außerschulischen Partnern in Frankreich und der Grenzregion sowie die Vermittlung zentraler europäischer Bildungsthemen wie Demokratie- und Menschenrechtserziehung, digitale Bildung, Nachhaltigkeit, Inklusion und lebenslanges Lernen. In all diesen Bereichen musste das HWG belegen, dass diese Ziele an der Schule angestrebt werden und im Schulleben eine wichtige Rolle spielen. Nachdem die Schulkonferenz das Einverständnis zur Bewerbung gegeben hatte und auch der Landkreis als Schulträger informiert worden war, ging es an die Feinarbeit. Eine „Arbeitsgruppe Europa“ füllte den 18-seitigen Fragebogen aus und fügte 133 Belege bei, die die Europa-Aktivitäten des Hochwald-Gymnasiums dokumentierten. 

Schon seit vielen Jahren hat das HWG sich die Arbeit am Thema Europa auf seine Fahnen geschrieben. Das Leitbild Europa hat die Schulgemeinschaft wie folgt definiert: „Die Herausforderungen unserer Zeit machen an Staatsgrenzen nicht halt. Sinnvoll begegnen können ihnen nur Zusammenschlüsse vieler Staaten. In Europa hat sich die europäische Zusammenarbeit als herausragender Garant von Wohlstand, Sicherheit, Frieden und politischem Einfluss bewiesen. Alles deutet darauf hin, dass ein demokratisches Europa in Zukunft eine noch tragendere Rolle spielen wird. 
Wie jedes Projekt braucht eine funktionierende Demokratie aktive Demokraten/Demokratinnen und mündige Bürger/Bürgerinnen, braucht ein starkes Europa bewusste Europäer/Europäerinnen. Das HWG fördert den europäischen Gedanken und das Entstehen einer demokratischen Streitkultur in fest verankerten Projekten.“

Zwei zentrale Säulen der Europaaktivitäten der Schule sind die Austauschprogramme, mit denen direkte Kontakte von Schülerinnen und Schülern mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern organisiert werden, und das bundesweite Projekt „Modell Europa Parlament“. Bei den Schüleraustauschen wurden in den letzten Jahren im Geiste der Frankreichstrategie des Saarlandes die Kontakte ins Nachbarland Frankreich besonders in den Mittelpunkt gerückt. Immer wieder kommen französische Jugendliche nach Wadern und gibt es Gegenbesuche in Frankreich. Die Kontaktaufnahme erfolgt schon in kleineren Klassen mit Tagesfahrten und in der Mittelstufe folgt dann ein längeres Austauschprogramm, das immer auch vielfältige Aktivitäten in der jeweiligen Besuchsregion beinhaltet. Außerdem pflegt das HWG eine Partnerschaft mit einer polnischen Schule. Schließlich macht die internationale Ausrichtung der Schule nicht an den Grenzen Europas halt. Eine weitere Partnerschule des HWG, mit der ein Austausch organisiert wird, befindet sich in Pennsylvania, USA. Dafür idt die Koordinatorin für Gesellschaftswissenschaften, Daniela Hans, verantwortlich. Die Austausche ermöglichen es den Jugendlichen aus Wadern, in andere Kulturen einzutauchen, Freundschaften zu knüpfen mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern und so auf der persönlichen Ebene Europa und die USA erfahrbar zu machen. Dadurch entwickelt sich auch Toleranz für andere Denk- und Lebensweisen, was in der globalisierten Welt extrem wichtig ist.

Das Projekt Modell Europa Parlament gibt HWG-Schülern jedes Jahr die Möglichkeit, für eine Woche in die Rolle von Europaabgeordneten zu schlüpfen und gemeinsam mit Jugendlichen aus ganz Deutschland sowie aus einigen europäischen Partnerländern Gesetzentwürfe zu aktuellen europapolitischen Themen zu entwerfen und in einer Plenarsitzung zu diskutieren. Das Planspiel findet in Berlin statt und die Schule ist Mitglied im Trägerverein „Modell Europa Parlament Deutschland e.V.“, der die Veranstaltung organisiert. Mit Emily Vontz ist zur Zeit eine ehemalige Schülerin des HWG Vorsitzende dieses Vereins. Schon seit 23 Jahren vertritt die Waderner Schule das Saarland bei dieser hochrangigen Veranstaltung. In einer AG und Projekttagen werden die Jugendlichen intensiv auf diese Aufgabe vorbereitet und haben in Berlin auch schon große Erfolge erzielt. Im Laufe der Jahre wurden 35 Schülerinnen und Schüler wegen besonders guter Leistungen in Berlin als deutsche Vertreter zu internationalen MEP´s geschickt, die in Mitgliedsländern der EU stattfinden und in englischer Sprache durchgeführt werden. Zum Beispiel vertraten HWG-Schüler Deutschland bei internationalen MEP´s in Luxemburg, Madrid, Helsinki, Oslo, Budapest, Stockholm, Bratislava, Plovdiv oder Den Haag.

Auch ansonsten spielt das Thema Europa eine große Rolle im Schulleben. Immer wieder gibt es Treffen mit Europapolitikern, mit denen die Schülerinnen und Schüler Diskussionen führen. Die Schule war mehrfach am Projekt „Europaklassen im Landtag“ beteiligt. Die Europäische Vergangenheit spielt eine große Rolle bei Exkursionen, z.B. in die KZ-Gedenkstätte Natzweiler-Struthof oder nach Verdun. Ein großes Schulfest wurde vor einiger Zeit dem Thema Europa gewidmet. Im Kunstunterricht werden Werke mit Bezug zum Thema Europa gestaltet. So wurde z.B. ein Europaflur eingerichtet, in dem Porträts wichtiger Persönlichkeiten ausgestellt werden, die bedeutsam waren für die europäische Einigung. Zu jedem Porträt gibt es einen kleinen Infotext. Viel Schülerinnen und Schüler nehmen auch mit großem Spaß am Europäischen Wettbewerb teil, in dem sie ihre Kunstwerke als Wettbewerbsbeiträge einreichen. Die Landeskoordinatorin des Europäischen Wettbewerbs, Maike Träm, ist Lehrerin am HWG und richtet jedes Jahr die Preisverleihung in der Aula der Schule aus.

Die hier beschriebenen Projekte sind nur ein Teil der im Antrag aufgeführten Aktivitäten des HWG. Die Schule hat damit die Kriterien für die Zertifizierung erfüllt und darf sich ab jetzt offiziell „Europaschule des Saarlandes“ nennen. Ministerin Streichert-Clivot äußerte sich bei der Preisverleihung dazu wie folgt: „Kinder und Jugendliche brauchen Schulen, an denen sie erleben, wie wichtig Zusammenhalt, Respekt, Demokratie und Offenheit für unser Miteinander sind. Genau das machen unsere Europaschulen jeden Tag möglich – wenn neue Freundschaften über Grenzen hinweg entstehen, gemeinsam andere Sprachen entdeckt werden oder Schülerinnen und Schüler lernen, neugierig auf andere Menschen und Kulturen zuzugehen. Europa wird dort nicht nur im Unterricht erklärt, sondern im Schulalltag gelebt – im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof und in den Begegnungen junger Menschen über Grenzen hinweg. Das Zertifikat ‚Europaschule des Saarlandes‘ ist deshalb eine besondere Anerkennung für Schulen, die junge Menschen mit viel Engagement, Herz und Haltung auf ein gemeinsames Europa vorbereiten.“