Laudation HWG Wadern – Prof. Dr. Jörg Schlömerkemper

Es hat sich eine Schule um den Schulpreis beworben, die sich in den Merkmalen,
die eine gute Schule auszeichnen, von anderen Schulen der gleichen
Schulform deutlich unterscheidet. Diese Schule hat sich selbständig gemacht
und in vielen Diskussionen ein Konzept erarbeitet, das sie Schritt für
Schritt umsetzen will. Dabei ist sie selbst der Meinung, dass noch viel getan
werden muss. Aber die Lehrenden und die Lernenden sind auf dem Weg zu
dem, was sie „wollen“, schon weit vorangekommen. Beeindruckend ist es,
wie es der Schule insgesamt und einzelnen Lehrenden gelingt, Freiräume für
neue Ideen zu schaffen und diese ggf. auch gegen Kritiker durchzusetzen. Aber
im Grunde werden alle respektiert und in ihren persönlichen Eigenheiten
und Ideen anerkannt, aber es wird auch toleriert, wenn jemand das Neue
noch nicht so konsequent umsetzen mag oder umsetzen kann. So ist es im
Leben und eben auch in einer Schule und eben auch in dieser Schule, von der
ich hier rede.

Diese Vielfältigkeit geht aber keineswegs zu Lasten der Leistungen. Die
Schülerinnen und Schüler werden mit hohen Anforderungen konfrontiert.
Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn die Schule hat bei Wettbewerben
in verschiedenen Bereichen mehrere Anerkennungen bekommen.
Dass das so ist, ist offensichtlich darauf zurückzuführen, dass diese Schule
zwar hohe Leistungsansprüche stellt, dass sie die Schülerinnen und Schüler
aber nicht scheitern lässt (oder an eine ‚niedrigere‘ Schule verweist), sondern
individuell oder in kleinen Gruppen über den regulären Unterricht hinaus
fördert. Das machen zum Teil die Lehrenden, aber auch ältere Schülerinnen
und Schüler. Hilfreich ist es dabei, dass diese Schule bis in den Nachmittag
hinein für die Schülerinnen und Schüler offen ist.

Im Unterricht ging es in vielen Stunden, die wir besuchen konnten, eher
„normal“ zu (so sagte es ein Schüler). Beeindruckt haben uns aber Situationen,
in denen die Lehrenden alternative Konzepte von Lehren und Lernen
verfolgt haben. Sie orientieren sich an Methoden des Lernens, die von herkömmlichem
Unterricht abweichen: Es geht nicht in erster Linie darum, zuzuhören
und auswendig zu lernen, was der Lehrer oder die Lehrerin ‚vorne‘
erzählt, sondern es wird einzeln oder in Gruppen erarbeitet, was an einem
Thema oder einer Aufgabe wichtig ist. Im gemeinsamen Gespräch gehen die
Lehrerinnen und Lehrer auf die Schülerinnen und Schüler ein, sie stellen den
Stoff verständlich darf, sie lassen Zeit zum Lernen – und wenn es einmal
doch nicht gleich auf Anhieb klappt, dann gibt es die schon genannten Hilfestellungen
von älteren SchülerInnen oder auch von LehrerInnen.

Und für alle Schülerinnen und Schüler ist diese Schule über den Unterricht
hinaus attraktiv, weil sie sich hier treffen können und weil es viele Angebote
und Aktivitäten gibt, die zu Hause so intensiv nicht möglich sind. Das geht
von internen Arbeitsgruppen bis zu kulturellen Veranstaltungen, mit denen
die Schule sich öffentlich darstellt.

Man lernt an dieser Schule manches, was man nach der Schule – später im
richtigen Leben – wird gebrauchen können: nämlich zu diskutieren, zu argumentieren,
zu seiner Meinung zu stehen, aber auch auf die Argumente der
anderen zu hören und zu Entscheidungen zu kommen, mit denen alle, oder
zumindest die meisten einverstanden sein können.

Dass es auf dieser Welt nicht überall so zugeht, wie im Saarland, das kann
man an dieser Schule ganz konkret „erfahren“. Und „fahren“ ist dabei wörtlich
gemeint: Es geht rund um den Globus – und aus fast allen Kontinenten
kommen Schülerinnen und Schüler an diese Schule.

Na, wohin kommen sie denn? Ins Saarland natürlich – in das nördliche
Saarland und an eine Schule, die bei einem „hohen Wald“ liegt.
Preisträger des Saarländischen Schulpreises ist das Hochwaldgymnasium in
Wadern.

Herzlichen Glückwunsch!