Schulleiterin Ellen Küneke

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

mit meinem ersten Besuch am Hochwald-Gymnasium begann für mich eine Zeit der Annäherung.

Die Annäherung begann mit einer Begehung des Hochwald-Gymnasiums, einer Schule mit einer Längenausdehnung von einem knappen halben Kilometer und etwa 6 ha Grundfläche, mit vielfältigen Gebäuden und Räumlichkeiten, einschließlich Bunkeranlage und einem weitläufigen Außenterrain. Spontane Assoziationen wie römisches Latifundium, ostpreußischer Großgrundbesitz stellten sich ein und ließen mich zeitweise verlassen im Universum stehen, auch Raumpläne und Fluchtpläne führten nur zu vorübergehender Linderung. Wenn ich derzeit auch schon bis zu den Archiven vorgedrungen bin, so glaube ich doch, dass das Hochwald-Gymnasium noch längere Zeit das eine oder andere Geheimnis vor mir wird verbergen können.

Nach so viel räumlicher Orientierungssuche versuchte ich, mich Ihrer Schule von einer anderen Seite zu nähern. Was läge einer Historikerin näher, als der Geschichte des Hochwald-Gymnasiums nachzuspüren.
„Eine Schule so jung wie das Saarland“.
So übertitelte Schulleiter Wolfgang Wagner in der Festschrift „50 Jahre Hochwald-Gymnasium“ im Jahr 2007 seinen Leitartikel.
Eine junge Schule also – das assoziiert Lebendigkeit, Aufschwung, Wachstum, Innovation – „wie das Saarland“, unsere Heimat mit gewachsener Tradition, Bodenständigkeit und Wertestabilität.

Welche Assoziationen verbinde ich denn persönlich  mit dem Hochwald-Gymnasium? so fragte ich mich.
Eine Schule im Nordsaarland, weit weg, im Naturidyll Hochwald mit Naherholungswert. Das klingt vielversprechend.
Da gab und gibt es aber auch anderes:
Semik, neue Lernmethoden – ich erinnere mich an einen Vortrag von Professor Dr. Manfred Spitzer in Wadern, zu dem ich vor Jahren hier angereist war - didaktisch-pädagogische  Vielfalt und Innovation, Selbstständige Schule. In vielem ist das Hochwald-Gymnasium nicht weit weg, sondern sehr nah an didaktisch-pädagogischen  Wesentlichkeiten.

Das Leitbild des Hochwald-Gymnasiums lautet:
„Eine gute Schule ist eine Schule, die besser werden will.“  Dies drückt einerseits Bescheidenheit aus, denn diese Schule ist eine gute Schule mit Leitwerten wie Schülerzentriertheit, individueller Förderung, Erziehung zur Selbstständigkeit, Ganzheitlichkeit, sozialem Lernen, Elternarbeit, Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern, dem Anspruch auf Nachhaltigkeit. Eine „selbstständige Schule“ mit dem Mut, neue eigene Wege auszuprobieren und mit viel Engagement durchzusetzen. Eine leistungsstarke Schule, ohne Schwächere zurückzulassen. Eine weltoffene Schule mit Austauschkontakten rund um den Globus.
Dieses Leitbild zeigt aber andererseits auch Einsicht und Weitblick. Eine gute Schule muss sich bewegen, entwickeln, nur dann wird sie ihrem Bildungsauftrag gerecht.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, Sie merken es, ich komme ins Schwärmen.
Mein beruflicher  Werdegang, der mir über viele Jahre Einblick in unterschiedliche Instanzen und Funktionen von Schule gebracht hat, zeigt mir aber auch, wie schwer es ist, all das im Alltag umzusetzen.

Schule ist in erster Linie ein Haus des Lernens, in dem es gilt, den uns anvertrauten Schülerinnen und Schülern neben Sach- und Methodenkompetenzen auch soziale Kompetenzen und Ich-Kompetenzen zu vermitteln. Schule ist dazu da, junge Menschen auszubilden, die genügend Vertrauen in sich selbst aufgebaut haben, um sich und ihr Leben in Bestform zu bringen.
Dabei geht es nicht darum, didaktischen Modernismen zu folgen, sondern in einem Prozess des Ausprobierens, Evaluierens und Veränderns eine gute Schule besser machen zu wollen. Tradition und Fortschritt sind hierbei keine sich ausschließenden Größen, sondern führen als These und Antithese zur Synthese einer gelungenen Bildungsarbeit.

Nicht umsonst ist das Hochwald-Gymnasium ein Leuchtturm in der gymnasialen Bildungslandschaft, gewürdigt mit dem Saarländischen Schulpreis 2011.

Ein Grund von vielen Gründen, liebe Kolleginnen und Kollegen, auf  diese Schule stolz zu sein. Für mich ist es eine Herausforderung, aber auch eine große Freude in der Nachfolge von Herrn Wolfgang Wagner das Hochwald-Gymnasium  leiten zu dürfen. Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit mit Ihnen, geprägt von Sachverstand, Vertrauen und Offenheit im Dienste der gesamten Schulgemeinschaft.

Erlauben Sie mir, meine Ausführungen - wie es einer Germanistin ansteht – literarisch zu beenden:
Bert Brecht erzählt in seinen „Geschichten vom Herrn Keuner“ folgende Episode:

Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“ „Oh!“ sagte Herr K. und erbleichte.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zum Schluss möchte ich Worte des Dankes richten an all diejenigen, die mir in dieser kurzen Zeit der Annäherung zur Seite standen. Mein Dank gilt dem Schulleitungsteam mit Herrn Schley, Herrn Schäfer und Herrn Didas, dem Kreis der erweiterten Schulleitung, Frau Zimmermann als Leiterin der Steuerungsgruppe, Herrn Kleer als Personalratsvorsitzendem, den Damen des Sekretariats, Frau Latwein und Frau Reinert, den beiden Hausmeistern, Herrn Bonerz und Herrn Dworski und vielen anderen, die mir mit freundlichem Wohlwollen begegnet sind.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Wolfgang Wagner, der nicht nur sehr professionell die Amtsübergabe durchgeführt hat, sondern nicht müde wurde und es hoffentlich auch nicht wird, mir all meine Fragen zu beantworten.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre freundliche Aufnahme.