Dramatischer Austausch. Dramatic Exchange.

Theaterprojekt mit drei verschiedenen Skripten, folglich drei verschiedenen Aufführungen, in zwei verschiedenen Ländern und drei verschiedenen Sprachen. Von Birgit Schommer, Leiterin der Theater AG und des Chinaaustauschprojekts.

“Wo de cheng cheng! Wo de cheng cheng! My wall, my wall! Meine Mauer, meine Mauer!” ruft der Kaiser von China, immer wenn seine Mauer kaputt gemacht wird; manchmal macht er sie auch selber kaputt, aus Wut, dass nichts so läuft, wie er sich das vorgestellt hat: weder ist sein Kostüm fertig, noch heiratet seine Tochter Liu Yi den chinesischen General, den er für sie vorgesehen hat, noch wird der Bau seiner Chinesischen Mauer so gewürdigt, wie das in der Mega Eventshow, deren Generalprobe wir auf die Bühne brachten, anfangs angekündigt wurde. “Wo de cheng cheng! Wo de cheng cheng! My wall, my wall! Meine Mauer, meine Mauer!” ruft der Kaiser von China in dem Theaterstück Über Grenzen. Of Borders and Beyond. 边界以外erst auf deutsch, später dann auf englisch und schließlich auf chinesisch aus, aber um zu erklären, wie die neue Produktion der Theater AG am HWG und ihre grenzüberschreitenden Weiterverwertungen für den diesjährigen Schulaustausch mit China entstanden und auf die Bühne gebracht wurden, muss man schon ein bisschen weiter ausholen.

Vorstufe

Die Theater AG hatte sich in diesem Jahr Die Chinesische Mauer von Max Frisch vorgenommen. Das Theaterstück aus dem Jahre 1947 war mir bei Literaturrecherchen zum Chinaaustausch zufällig in die Hände gefallen. Frisch hatte dieses Stück, das er „Eine Farce“ nennt, unter dem verheerenden Einfluss des Abwurfes der Atombombe über dem Bikini-Atoll geschrieben. Im Angesicht einer solch existentiellen und unmittelbaren Bedrohung für die Menschheit wollte er die Absurdität allen Machtgebarens zeigen, mit seinen Grenzüberschreitungen, Eroberungsfeldzügen und neuen Grenzziehungen. Also lässt er prominente Figuren der Weltgeschichte in der Jetztzeit auftreten, die alle in ihrem unermesslichen Machthunger zum Elend eines Teils der Menschheit in ihrer Zeit beigetragen haben und von der Figur des „Heutigen“ ebenso sanft wie vergeblich auf die Sinnlosigkeit ihres Tuns für die jeweilige Nachwelt und ihre baldige Pulverisierung hingewiesen werden: der erste Kaiser von China, der im Jahr 214 v. Chr. mit dem Bau der Chinesischen Mauer seine Eroberungen gegen die Mongolen absichern will, genauso wie der römische Statthalter Pontius Pilatus oder die ägyptische Königin Cleopatra, Kaiser Napoleon und Christoph Columbus, der bis zu seinem Tod glaubt, den Seeweg nach Indiens gefunden zu haben. Während sich diese unbelehrbaren Eroberer und Ausbeuter voreinander mit ihren Heldentaten brüsten, wird als Gegenentwurf immer wieder die Liebe in Gestalt von Romeo und Julia ins Spiel gebracht, die natürlich ebenso dem Untergang geweiht ist. Und doch weiß sich Max Frisch in dem Stück, das als sein politischstes gilt, in der allgemeinen Weltuntergangsstimmung am Ende auch keinen anderen Rat als immer wieder die Liebe zu beschwören, und er findet dafür bezaubernde Worte. Martin Huber, seit 2009 Regisseur unserer Theater AG, gefiel der Text ebenso, eigentlich fast genau so wie er war, Wort für Wort. Einmal nicht selbst ein Stück für unsere jährliche Aufführung schreiben, so hoffte ich, einmal eine Vorlage benutzen! Das war in dem Jahr mit einem anstrengenden Chinaaustauschprojekt im Nacken schon so ein heimlicher Traum von mir. Ausgeträumt hatte ich schnell, als ich den Suhrkamp Verlag anrief. Die wollten Geld und über allerlei Dinge bestimmen. Beides war uns zuviel, und so fing ich eben wieder einmal an zu schreiben, bis keine Zeile von Frisch mehr auf der anderen stand.

Erste Stufe: Über Grenzen Theaterstück der Theater AG des HWG am 12., 13. und 14. Juni 2013

Eigentlich wollte ich in „Über Grenzen“ eine neue, sehr aktuelle Grenzziehung vor unserer Haustür in den Mittelpunkt rücken: den Bau der Festung Europa, der zunehmenden Abschottung der vermeintlich Reichen gegen die vermeintlich Armen, die seit einigen Jahren schon zu Tausenden im Mittelmeer ertrinken. Doch im Gerangel der historischen Figuren, von denen es in unserem Stück auch nicht gerade wenige geben sollte, geriet mir diese unsichtbare Mauer und ihre Mauertoten leider aus dem Blick. Ein andermal, bestimmt. Als Rahmenhandlung dient die Generalprobe zu einem Mega-Event, das 2014 in China tatsächlich gefeiert werden könnte: Dem Bau der Chinesischen Mauer vor 2200 Jahren. Bei dieser Show der Superlative treten die üblichen Verdächtigen als historische Figuren auf: Columbus, Napoleon, Cleopatra, Caesar statt Pilatus – und, da wir mehr Mädchen statt Jungs in der Theater AG haben - auch Isabella von Kastilien, Begründerin der spanischen Kolonialmacht, sowie ihre Tochter Johanna die Wahnsinnige, die wir auf drei Mädchen aufsplitteten. Den Kaiser von China mussten wir als einzigen mit einem Mädchen besetzen, Ellen Art, die als Bösewicht tatkräftig von Ian Zimmermann als chinesischem Hofdichter unterstützt wurde. Als Unterhaltungssequenzen während der Show werden einzelne Dialoge aus Romeo und Julia zwischen geschaltet. Um dem Vorwurf der chinesischen Fraktion „der Monopolisierung des Westens auf die Liebe“ entgegen zu wirken, wird dem berühmtesten Liebespaar der westlichen Literaturgeschichte das berühmteste Liebespaar der östlichen Literaturgeschichte zugesellt: Liang Shanbo und Zhu Yintai. Antonia Zimmer, ebenso wie Juliane Buchheit als chinesischen Prinzessin, haben da viel Text abzuspulen, da die chinesische Geschichte hierzulande kaum jemand kennt. Wie bei Max Frisch läuft bei diesem Großaufgebot aus Geschichte und Literatur nichts nach Plan, die Schauspielerinnen und Schauspieler halten sich immer weniger an ihr Skript und beginnen sich mit ihren Rollen mehr zu identifizieren, als es den Organisatorinnen lieb ist. Als sie schließlich anfangen, sich ernsthaft zu bekriegen, werden sie kurzerhand von der Prinzessin und Marco Polo, dem venezianischen Chinareisenden und Wanderer zwischen den Welten, mithilfe der Chinesischen Mauer zugebaut. Verliebt ziehen die beiden ab. Fast ein Happy End. Außer in 80 Papphocker, mit der die Chinesische Mauer auf und ab gebaut wurde, investierten wir in die Leihgebühr aufwändiger historischer Kostüme. Unsere Kostümieren Bianca Bieniek und Luisa Barbian flippten fast aus, als sie im riesigen Kostümlager des Saarländischen Staatstheaters in Gersweiler auf drei Etagen wühlen durften. Zu den einzelnen historischen Figuren gab es wahnsinnig viele Fakten und Zahlen, die von insgesamt acht Eventmanagerinnen vorgetragen wurden. Sie hielten als Gedächtnisstütze Karteikarten in den Händen. Fabian Görgen, Spezialist im schnellen Memorieren endlos langer Monologe mit langatmigen Sätzen und komplizierten Sachverhalten, hatte als wunderbarer Napoleon und Caesarbewunderer die gesamte Vita seines großen Vorbilds auf dem Schirm. Es wäre noch viel zu dem bezaubernden Wahnsinn der Proben zu sagen, dazu, wie alle 30 fest zusammenhielten und sich gegenseitig Mut machten und dann so großartig auf der Bühne standen und spielten, nicht wirklich vorher in den Proben, aber dann um so mehr, vor einem ihnen verdient wohl gesonnenen Publikum. Der wirkliche Wahnsinn, die nicht gespielte Verzweiflung, die lag ja erst noch vor uns mit den nächsten zwei Stücken, diesmal mit richtigen Chinesen und Chinesinnen als Schauspielern. Diese erste, rein deutsche Aufführung aber wurde zu einem Theaterstück der „Geschichte im Schweinsgalopp“, wie mir ein Geschichtslehrer nachher (ich denke mal) anerkennend sagte, aber das Publikum, allesamt ja derzeitige und ehemalige Schülerinnen und Schüler von irgendeiner Form von Geschichtsunterricht in ihrem Leben, „kam mit“ in dem Wirrwarr von Zahlen und Zusammenhängen, in den sich die Helden und Heldinnen der Handlung immer weiter verstrickten. Diese Protagonisten der Schullehrpläne für Geschichte, sie wurden hier, losgelöst von Zeit und Raum, neu miteinander verknüpft und dadurch entlarvt als diejenigen, deren „Traum“ vom Seeweg nach Indien, den Caesar, Columbus und Napoleon vergeblich geträumt hatten, nichts weiter war als die maßlose Gier nach Gewürzen, Gold und Land, eine Gier, die ohne Ansehen von Geschlecht und Herkunft der Motor der Mächtigen überall auf der Welt war, ist und immer bleiben wird. Gleichzeitig aber gibt es die leiseren Töne einer sozusagen globalen Liebessehnsucht, verkörpert durch das östliche und das westliche Liebespaar der jeweiligen Literaturgeschichte, die im Stück von den Mächtigen zum Verstummen gebracht werden sollen, sich aber nicht mundtot machen lassen und einen kraftvollen Gegenpol bilden, der ebenso zeit- wie grenzenlos ist. Und das sollte dann (und tut es in diesem Text) als passende Überleitung zu unserem sich anschließenden Chinaaustausch dienen.

Zweite Stufe:Über Grenzen. Of Borders and Beyond. 边界以外
Deutsch-englisch-chinesisches Theaterstück der Austauschgruppe, HWG, 23. August 2013

Am 15. August bekamen wir endlich, nach einem Dreivierteljahr Vorbereitung, den heiß ersehnten Besuch aus China. Seit 2008 führen das HWG und die Fuzhou No. 1 Middle/High School aus der 7 Millionen Stadt Fuzhou im südlichen Teil Chinas gelegen, im mittlerweile Zweijahresturnus einen Schulaustausch durch. 11 Mädchen und 3 Jungs in Begleitung ihrer Lehrerinnen Lin Yijing und Miao Yingying wurden von uns am HWG Busbahnhof in Empfang genommen. Sie hatten eine (in Asien immer noch übliche) Tour de Force durch Deutschland (7 Städte in 7 Tagen) hinter sich, die touristischen Highlights waren also abhakt und auf SD–Karte abgespeichert, sodass der eher ruhige Alltag in einer saarländischen Familie als Entspannung empfunden werden musste: es wurde zusammen Kuchen gebacken oder ein Picknick im Park veranstaltet, ein bisschen Sightseeing an der Saarschleife oder Shopping in Trier waren im Angebot, auch die ein oder andere Fahrt nach Paris oder ins Dreiländereck. Wirklich anstrengend waren nur die täglichen Proben nach dem Schulunterricht, denn eine Woche nach der Ankunft sollte die Aufführung des dreisprachigen Theaterstückes stattfinden. Das ursprüngliche Stück war bereits stark gekürzt, fertig wurde es erst kurz vor der Aufführung, als wir unsere chinesischen MitspielerInnen und die das Stück besser kennen gelernt hatten. Sie übernahmen natürlich alle chinesischen Rollen, Hanzhi Chen mimte einen wunderbar komisch wütenden Kaiser von China, Hao Zhen, genannt Hedy, war ein gekonnt düsterer Hofdichter Li Ssu, dessen Namen wir endlich richtig aussprechen lernten. Zhenkun Chen übernahm von Luca Meyer, der in der deutschen Fassung eine bravouröse Dreifachrolle gespielt hatte, neben der Rolle des Romeo die von Liang Shanbo, dem chinesischen Pendant zu Romeo, der sich unsterblich in Zhu Yingtai verliebt, aber nur nach beider Tod mit ihr vereint sein darf. Auch in der deutschen Austauschgruppe machten alle in irgendeiner Form beim Theaterstück mit. Unter ihnen waren nur 4 Teilnehmerinnen der Theater AG, von denen nur Julia und Cleopatra ihre Rollen behalten konnten. Der Rest, vor allem unser einziger Junge Lars Beck als Marco Polo, schauspielerte tapfer mit. Ellen Arlt übernahm wieder eine Männerrolle (diesmal die Napoleons), Juliane Buchheit musste aus ihrem geliebten chinesischen Prinzessinnenkleid heraus und in das prächtige Gewand der spanischen Königin Isabella von Kastilien schlüpfen. Als Grundregel vereinbarten wir, dass die deutsche Spieltruppe untereinander deutsch sprach, die chinesische untereinander chinesisch und beide Gruppen miteinander auf englisch kommunizierten. Als Eventmanager setzen wir 3 deutsche und 3 chinesische ein, die die jeweiligen Ansagen gegenseitig übersetzten. Die chinesische Gruppe kannte bereits den Inhalt und die englischen Textpassagen, die meine Kollegin Yijing auf chinesisch übersetzte. So entstanden ein dreisprachiges Skript und babylonisch sprachverwirrte Proben. Dabei überwiegten noch die deutschen Textpassagen, weil das Publikum hier deutschsprachig war. Nach der Generalprobe Freitagmittags ließen alle ihre Köpfe hängen: Das würde nie im Leben was werden! Aber, wie das (aus für mich immer noch völlig unverständlichen Gründen) so ist beim Schülertheater: in der Vorstellung am selben Abend klappte es, auch dank unserer deutschen und chinesischen Souffleusen, ganz wunderbar. Die Erleichterung war grenzenlos und es bestand begründete Hoffnung, dass es in China dann auch klappen könnte. Dafür musste aber, wie ich seufzend feststellte, ein weiteres Skript erstellt werden, mit wesentlich mehr chinesischen Textpassagen für ein ausschließlich chinesisches Publikum. Ich setzte auf das Improvisationstalent der gesamten Schauspieltruppe und wurde nicht enttäuscht.

Dritte Stufe: 边界以外. Of Borders and Beyond. Über Grenzen. Chinesisch-englisch-deutsches Theaterstück, Fuzhou No.1 High School, 17. Oktober 2013 

Am 12. Oktober brachen wir zum Rückbesuch nach China auf. Von Türkismühle mit der Bahn zum Frankfurter Flughafen, von dort nach einem 15-stündigen Flug mit kurzem Zwischenstopp in Hongkong nach Fuzhou in der Nähe der Küste des südchinesischen Meers gegenüber Taiwan gelegen. Unsere Gruppe wurde am Flughafen enthusiastisch empfangen, in die Familienwagen verfrachtet und zu diversen Sonntagsaktivitäten transportiert. Als wir abends bei einer Schulfeier als Ehrengäste im Publikum saßen, war es nach chinesischer Zeit 20 Uhr, für unser Zeitgefühl aber 2 Uhr morgens, und so war es kein Wunder, dass einige im Schutze der Dunkelheit während der gewiss tollen Gesangsdarbietungen bisweilen einnickten. Die Woche an der für unsere Verhältnisse riesigen Schule, die 2017 ihren zweihundertsten Geburtstag feiert, mit über 4000 SchülerInnen, 65 Klassen, 114 Arbeitsgemeinschaften, 4 Bibliotheken 24 Sportstätten, einem eigenen Verwaltungsgebäude, 4 Internatsgebäuden, eigener Sternenwarte, Swimming Pool inklusive Teich und Supermarkt, war sehr abwechslungsreich: wir erhielten Unterricht in Tai Chi, Kung Fu, chinesischem Tanz, chinesischen Musikinstrumenten und Gesang, chinesischer Malerei, Kalligraphie, Sprache und Literatur. Doch ab Montag hieß es auch proben, in einem für die deutsche Theatertruppe neuen Raum, keine Guckkastenbühne, aber 400 ansteigende Sitze, die sich am Donnerstagabend nach dem Sportfest unaufhaltsam füllen würden. Wir erhielten wesentlich mehr Unterstützung als vor zwei Jahren, Bühnenarbeiter, Pappkisten und sogar einen Thron, der 2. Direktor schaute höchstpersönlich vorbei, um zu prüfen, ob die neuen und während der Probe lautstark installierten Spots uns auch ausreichend beleuchteten. Wir hatten immerhin drei (katastrophale) Proben (z. T. ohne chinesische Besetzung, weil die nicht vom Unterricht befreit wurden oder für das Sportfest trainieren mussten), wir hatten einen Techniker, der in einem Nebenraum nur Blickkontakt über einen Bildschirm hatte, kein Englisch verstand und auf Anweisungen überhaupt nicht reagierte. Aber Julia Simon, die für unsere Technik zuständig war, angelte sich einen zweiten, sehr kooperativen Techniker, und auch alle anderen legten sich mächtig ins Zeug und den erhofften Improvisationsgeist an den Tag und spielten vor einem begeisterten Publikum, was das Zeug hielt. Nachher, als alles vorbei war, fielen sie sich in die Arme, taumelten ein wenig benommen herum und konnten ihr Glück kaum fassen, dass sie es geschafft und dieses internationale Theaterprojekt über die Chinesische Mauer, chinesisch Wànli Chénchén, auf und über die Bühne gebracht hatten.

Auf der Mauer (ohne Lauer)

Als wir in unserer zweiten Besuchswoche, am 22. Oktober, an einem leider etwas Dunst verhangenen Tag, die wirkliche Chinesische Mauer, den Abschnitt bei Mutanyu, erklommen, da hatten wir sie symbolisch längst überwunden. Das Trennende, das den Horizont Verdeckende, willkürlich Einschneidende und martialisch Abschirmende, das ebenso Ausschließende wie hermetisch Einschließende, das alles hatten wir bei unserem Austausch hinter uns gelassen. Es waren über politische Grenzen, ökonomische Sachzwänge und kulturelle Barrieren hinweg individuelle soziale Kontakte geknüpft worden, die vielleicht nicht lebenslang halten werden, deren Knüpfung jedoch einen solch bleibenden Eindruck in den jungen Köpfen hinterlassen hat, dass zukünftige Klischeebildungen über DIE Deutschen und DIE Chinesen nicht mehr möglich sein sollten. Im 798 Art District, einem Zentrum für kritische Gegenwartskunst in einem stillgelegten Industrieareal, das viel frischen Wind in die Hauptstadt Beijing bläst, habe ich mir ein Poster von einem chinesischen Gemälde gekauft. Es zeigt die Weltkarte, mit China in der Mitte, dem Kontinent Amerika im Osten und Europa weit weg und winzig an den äußersten westlichen Rand gedrückt, also ebenso ethnozentristisch wie die europäische Weltkarte. Doch diese für uns ungewohnte Weltsicht ist noch nicht einmal das Besondere an dem Bild. Dafür umso mehr folgendes: alle Ländergrenzen sind als Aneinanderreihung von Kanonen eingezeichnet. Der Titel als logische Konsequenz dieser Grenzziehungen: „No countries, no wars“. Ohne Ländergrenzen gäbe es keine Kriege. Wäre schön, wenn diese Schulaustausche dazu weiterhin ihren überaus bescheidenen Beitrag leisten könnten.

Informationen zu zukünftigen Austauschmaßnahmen mit China

Der nächste Austausch zwischen dem HWG Wadern und der Fuzhou No. 1 High School in China wird voraussichtlich im August bzw. Oktober 2016 stattfinden. Aufgrund der guten Erfahrungen und des wachsenden Interesses würde die chinesische Schule gerne jedes Jahr einen Austausch mit uns machen oder zumindest in jährlichem Wechsel eine jüngere und ältere Schülergruppe austauschen. Da wir im Moment personell am HWG dazu nicht in der Lage sind, haben wir der Fuzhou No. 1 Middle School angeboten, im kommenden Jahr sich zunächst einmal einseitig auf die Möglichkeit einer Begegnung in Deutschland für eine jüngere Gruppe einzulassen. Für 2014 suchen wir also Familien, deren Kinder das HWG besuchen und die bereit sind, eine/n 12-15 jährigen SchülerIn aus Fuzhou für eine Woche nach den Sommerferien bei sich aufzunehmen. Etwa sechs chinesische GastschülerInnen werden in Begleitung einer/s LehrerIn eine Woche lang das Saarland besuchen und hier in den Schul- und Familienalltag eintauchen können. Für die aufnehmenden Familien bietet dies die Chance, einen jungen Menschen aus einer anderen Kultur kennen zulernen und ihm die eigene näher zu bringen. Englischkenntnisse der Eltern sind keine Voraussetzung: auch in China können die meisten Gasteltern kein Englisch, die Verständigung mit Händen und Füßen hat bisher aber immer gut geklappt! Wendet euch bei Interesse bitte an Frau Schommer.