Eine Gruppe der Waderner Schüler bei der Übergabe des Schulpreises in Saarbrücken. Zweiter von rechts: Kultusminister Klaus Kessler. FOTO: HEIKE THEOBALD

Note 1 fürs Hochwald-Gymnasium

Saarländischer Schulpreis geht nach Wadern – Lob für alternative Lernkonzepte

Das Hochwald-Gymnasium (HWG) hat Grund zum Jubeln. Bei der Finalrunde des Saarländischen Schulpreises gehörte das HWG zu den Preisträgern und erhielt 3300 Euro Preisgeld.

Artikel der Saarbrücker Zeitung vom 21.5.2011

Wadern. Jubel im Hochwald-Gymnasium über den Erfolg beim Saarländischen Schulpreis (die SZ berichtete). Der Preis wird vergeben von der Stiftung Demokratie und der Landeselterninitiative für Bildung in Kooperation mit der Gesamtlandeselternvertretung, der Gesamtlandesschülervertretung und dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien.

Grundlage des Schulpreises ist der Nachweis eines umfassenden Bildungsverständnisses, das in sechs Qualitätsbereichen an der jeweiligen Schule zum Ausdruck kommen soll: Qualität des Lernens, individuelle Förderung/Umgang mit Vielfalt, Schule als Gemeinwesen, Schulklima, Schule als lernende Organisation und Leistung der Schülerinnen und Schüler.

Dazu war eine hochrangige Jury aus Experten der Wissenschaft und der pädagogischen Praxis gebildet worden, die die Schulen, die sich für den Schulpreis beworben hatten, besuchten und auf Herz und Nieren prüften.

Freiräume für neue Ideen

Auf der Festveranstaltung in der Saarbrücker Congresshalle betonte der renommierte Pädagogikwissenschaftler Professor Dr. Jörg Schlömerkemper, der Mitglied der Jury war, in seiner Laudatio (siehe unten) für das Hochwald-Gymnasium, dass sich das HWG deutlich von den anderen saarländischen Gymnasien unterscheide. Es sei beeindruckend für die Jury gewesen, wie es der Schule gelinge, Freiräume für neue Ideen zu schaffen und alternative Konzepte von Lehren und Lernen anzuwenden, die vom herkömmlichen Unterricht abweichen.

Das Hochwald-Gymnasium stelle hohe Leistungsansprüche, lasse die Schüler aber nicht scheitern, sondern fördere sie individuell auch über den regulären Unterricht hinaus. Es gehe an der Waderner Schule nicht in erster Linie darum, zuzuhören und auswendig zu lernen, was der Lehrer oder die Lehrerin erzählt. Vielmehr werde einzeln oder in Gruppen erarbeitet, was an einem Thema oder an einer Aufgabe wichtig ist. „Im gemeinsamen Gespräch gehen die Lehrerinnen und Lehrer auf die Schülerinnen und Schüler ein, sie stellen den Stoff verständlich dar, sie lassen Zeit zum Lernen – und wenn es einmal doch nicht gleich auf Anhieb klappt, dann gibt es Hilfestellungen von älteren Schülern oder auch von Lehrern“, so Schlömerkemper.

Diskussionskultur

Das Hochwald-Gymnasium sei eine attraktive Schule, weil es viele Angebote und Aktivitäten gebe – von internen Arbeitsgruppen bis zu kulturellen Veranstaltungen. Man lerne an dieser Schule, was man nach der Schule gebrauchen könne, nämlich zu diskutieren, zu argumentieren, zu seiner Meinung zu stehen, aber auch auf die Argumente der anderen zu hören und zu Entscheidungen zu kommen, mit denen die meisten einverstanden seien. Das Ergebnis der Arbeit am HWG könne sich sehen lassen.

Schulleiter Wolfgang Wagner dankte der Jury für die Entscheidung: „Der Schulpreis ist eine Würdigung für die engagierten Arbeit der Schulgemeinschaft des Hochwald-Gymnasiums“, sagte er und sprach Lehrern, Schülern und Eltern dafür seine Anerkennung aus. Wagner weiter: „Der Preis ermutigt das Hochwald-Gymnasium dazu, den eingeschlagenen Weg in den nächsten Jahren fortzusetzen.“ hth

 

Laudation HWG Wadern – Prof. Dr. Jörg Schlömerkemper

Es hat sich eine Schule um den Schulpreis beworben, die sich in den Merkmalen, die eine gute Schule auszeichnen, von anderen Schulen der gleichen Schulform deutlich unterscheidet. Diese Schule hat sich selbständig gemacht und in vielen Diskussionen ein Konzept erarbeitet, das sie Schritt für Schritt umsetzen will. Dabei ist sie selbst der Meinung, dass noch viel getan werden muss. Aber die Lehrenden und die Lernenden sind auf dem Weg zu dem, was sie „wollen“, schon weit vorangekommen. Beeindruckend ist es, wie es der Schule insgesamt und einzelnen Lehrenden gelingt, Freiräume für neue Ideen zu schaffen und diese ggf. auch gegen Kritiker durchzusetzen. Aber im Grunde werden alle respektiert und in ihren persönlichen Eigenheiten und Ideen anerkannt, aber es wird auch toleriert, wenn jemand das Neue noch nicht so konsequent umsetzen mag oder umsetzen kann. So ist es im Leben und eben auch in einer Schule und eben auch in dieser Schule, von der ich hier rede.

Diese Vielfältigkeit geht aber keineswegs zu Lasten der Leistungen. Die Schülerinnen und Schüler werden mit hohen Anforderungen konfrontiert. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn die Schule hat bei Wettbewerben in verschiedenen Bereichen mehrere Anerkennungen bekommen.

Dass das so ist, ist offensichtlich darauf zurückzuführen, dass diese Schule zwar hohe Leistungsansprüche stellt, dass sie die Schülerinnen und Schüler aber nicht scheitern lässt (oder an eine ‚niedrigere‘ Schule verweist), sondern individuell oder in kleinen Gruppen über den regulären Unterricht hinaus fördert. Das machen zum Teil die Lehrenden, aber auch ältere Schülerinnen und Schüler. Hilfreich ist es dabei, dass diese Schule bis in den Nachmittag hinein für die Schülerinnen und Schüler offen ist.

Im Unterricht ging es in vielen Stunden, die wir besuchen konnten, eher „normal“ zu (so sagte es ein Schüler). Beeindruckt haben uns aber Situationen, in denen die Lehrenden alternative Konzepte von Lehren und Lernen verfolgt haben. Sie orientieren sich an Methoden des Lernens, die von herkömmlichem Unterricht abweichen: Es geht nicht in erster Linie darum, zuzuhören und auswendig zu lernen, was der Lehrer oder die Lehrerin ‚vorne‘ erzählt, sondern es wird einzeln oder in Gruppen erarbeitet, was an einem Thema oder einer Aufgabe wichtig ist. Im gemeinsamen Gespräch gehen die Lehrerinnen und Lehrer auf die Schülerinnen und Schüler ein, sie stellen den Stoff verständlich darf, sie lassen Zeit zum Lernen –  und wenn es einmal doch nicht gleich auf Anhieb klappt, dann gibt es die schon genannten Hilfestellungen von älteren SchülerInnen oder auch von LehrerInnen.

Und für alle Schülerinnen und Schüler ist diese Schule über den Unterricht hinaus attraktiv, weil sie sich hier treffen können und weil es viele Angebote und Aktivitäten gibt, die zu Hause so intensiv nicht möglich sind. Das geht von internen Arbeitsgruppen bis zu kulturellen Veranstaltungen, mit denen die Schule sich öffentlich darstellt.

Man lernt an dieser Schule manches, was man nach der Schule – später im richtigen Leben –  wird gebrauchen können: nämlich zu diskutieren, zu argumentieren, zu seiner Meinung zu stehen, aber auch auf die Argumente der anderen zu hören und zu Entscheidungen zu kommen, mit denen alle, oder zumindest die meisten einverstanden sein können.

Dass es auf dieser Welt  nicht überall so zugeht, wie im Saarland, das kann man an dieser Schule ganz konkret „erfahren“. Und „fahren“ ist dabei wörtlich gemeint: Es geht rund um den Globus – und aus fast allen Kontinenten kommen Schülerinnen und Schüler an diese Schule.

Na, wohin kommen sie denn? Ins Saarland natürlich – in das nördliche Saarland und an eine Schule, die bei einem „hohen Wald“ liegt.

Preisträger des Saarländischen Schulpreises ist das Hochwaldgymnasium in Wadern.

Herzlichen Glückwunsch!