Leonce und Lena - entgrenzt

Prinz Leonce vom Königreich Popo soll erwachsen werden, indem er heiratet und König wird. Er langweiligt sich aber schon als Prinz und beschließt, mit seinem Diener Valerio von zu Hause abzuhauen. Prinzessin Lena vom Königreich Pipi soll erwachsen werden, indem sie einen Mann heiratet, den sie gar nicht kennt. Darauf hat sie keine Lust und beschließt ebenfalls, mit ihrer Gouvernante abzuhauen. Leonce und Lena treffen sich zufällig auf ihrer Flucht, ohne voneinander zu wissen, wer sie sind, und verlieben sich auf der Stelle ineinander. Zusammen gehen sie zurück an den Königshof und heiraten, ohne voneinander zu wissen, wer sie sind, und alles kann von vorne los gehen.

Dieses Theaterstück über Kinder, die nicht so werden wollen wie ihre Eltern, der Welt der Erwachsenen sich durch Flucht zu entziehen suchen und doch am Ende dorthin zurückkehren, ob erwachsen oder nicht, unglücklich oder weise, schreibt Georg Büchner 1836. Ein paar Monate später stirbt er an Typhus. Da ist er noch nicht einmal 24 Jahre alt und hat gerade erst drei Theaterstücke geschrieben.

Trotzdem gilt er als einer der ganz großen Theaterautoren, weil nichts von dem, was er geschrieben hat, altmodisch, sondern jung und entlarvend ist und ewig bleibt, ob er über die unmögliche Schönheit der Träume von einer besseren Welt schreibt, über den atemraubenden Zauber der ersten Liebe, nach dem man nur noch sterben kann, weil nicht Schöneres mehr danach kommt, über die Wut auf die Mächtigen und die Verzweiflung an der eigenen Ohnmacht.

Die Mitglieder der Theater AG des HWG haben die Sätze, diese Büchnerischen Sentenzen, die wie schwere Hämmer auf die Bühne fallen, untereinander aufgeteilt, ebenso wie die einzelnen Personen, und sprechen sie mit großem Ernst und großer Lust am eigenen Spiel.

Regie: Martin Huber
Produktion: Birgit Schommer

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